„Mädchen lügen nicht“: Aktionismus in Malerei und Objektkunst 

Galerie Czaak zeigt Personale der ehemaligen Muehl-Kommunardin Sugar Plum von 26.9. bis 28.10.17.

Die Frau als Objekt und Künstlerin in der Schule Otto Muehls mit der künstlerischen Verarbeitung grenzwertiger Lebenserlebnisse ist das Thema der ersten großen Einzelausstellung der Muehl-Kommunardin Sugar Plum in der Wiener Galerie Czaak.

Sugar Plum ist der Künstlername von Margit Pflaum (geb. 1959 in Deutschland), sie ist Aktionskünstlerin und Malerin. Sugar Plum war von 1981 weg Mitglied in der Kommune Friedrichshof von Otto Muehl und erlernte dort professionelle künstlerische und aktionistische Ausdrucksformen im Bereich Malerei, Skulptur, Performance und Tanz. 

Das sexistische Weltbild der Frau

Zu den bekannten Arbeiten der seit 2009 in Wien lebenden und arbeitenden Künstlerin zählen die Landschaftsbilder der portugiesischen Algrave sowie die Zyklen „Frau am Klo“ und „Frau am Fenster“. „Auch als Antwort auf ein sexistisches Weltbild wird hier das auf Gesäß und Brüste reduzierte Bild der Frau etwa in Kombination mit den runden Formen der Toilette als Karikatur ironisiert und ad absurdum geführt,“ so Sugar Plum zum Zyklus. Viele Werke beinhalten aktionistisch performanceartige Elemente wie Original-Abdrücke diverser Körperteile. 

In ihren skulpturalen Objekten verarbeitet Sugar Plum auch die Themen „Vaterfiguren“ und „Abschied“, etwa in ihrer aktuellen Serie mit Koffern, wo sie verschiedene, oftmals sehr ambivalente Gegenstände als Metapher für ihre Lebensabschnitte kombiniert. Skelettierte Tierschädel sind ebenso darunter wie Spiegel, Blumen oder „liebliche“ Puppenköpfe. „Der Koffer steht für das Leben, Abschied, Loslassen, Bewegung und Veränderung, die Inhalte für die jeweilige Situation,“ erklärt die Künstlerin. Beispiele für ihre künstlerischen Videos sind etwa die Kurzfilme „Vanitas“ und „Vanity – Die Büchse der Pandora“, die gemeinsam mit neuen Kunst-Filmen ebenfalls im Rahmen der aktuellen Schau gezeigt werden.

Aktionismus und autobiographische Tagebücher als Kunstform

Bei der Vernissage (Di, 26.09.17 um 19.00 Uhr) zeigt Sugar Plum gemeinsam mit dem Modell NOYA (Künstlername) eine aktionistische Live-Performance mit dem menschlichen Körper im Mittelpunkt der Aktion. „Diese Materialaktion ist eine Collage mit Objekten und Materialien, dabei geht es um den Gestaltungsprozess und nicht um ein Produkt. Die chaotische Materiallandschaft am Ende ist nicht weniger eindrucksvoll als der unberührte Beginn der Aktion,“ ergänzt Sugar Plum. 

Ein Schwerpunkt der Ausstellung ist zudem den Tagebüchern von Sugar Plum gewidmet, als eigenständige autobiografische Kunstwerke mit vielfältigen Illustrationen und Textelementen. „Bereits seit Jahrzehnten schreibt die Künstlerin Tagebuch und verflechtet das Autobiografische mit einer künstlerischen Praxis, die sie dem Publikum auch als Art-Diary zugänglich macht“, erläutert Kuratorin Gabriele Cram in einer Werkbeschreibung. „Die entstehenden temporären Seiten oder Werke werden dabei entweder singuläre Bilder oder wiederum Ausgangspunkt als Materialien neuer Arbeiten“, so Cram.

Intensive Lebenserlebnisse in ausdrucksstarken Kunstwerken

„Sugar Plum ist eine beeindruckende Künstlerin, die ihre intensiven Lebenserlebnisse als Muehl-Kommunardin in ihren nicht minder intensiven und entsprechend ausdrucksstarken Kunstwerken verarbeitet“, betont Galerist Christian Czaak, der die Personale gemeinsam mit der Künstlerin zusammengestellt und kuratiert hat. „Besonders erwähnenswert ist auch ihre handwerkliche Qualität und Genauigkeit, ihre vielfältigen Ausdrucksformen und ihre absolut professionellen Präsentationsformen auf Basis einer großen Schauspielkunst“, ergänzt Czaak. 

„Mädchen lügen nicht“ – Retrospektive Einzelschau der Muehl-Kommunardin Sugar Plum mit Aktionismus in Malerei, Grafik und Objektkunst vom 26. September bis 28. Oktober 2017 in der Galerie Czaak in 1010 Wien, Sonnenfelsgasse 15; www.galeriec.at .

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